Text.Alchemica.1600-01.A2r/TranslationDE
An die Durchlauchten und Hochgeborenen Fürsten und Herren,
Herrn Joachim Friedrich, Herzog in Schlesien zu Liegnitz und Brieg usw., Dompropst des Primat- und Erzbistums Magdeburg usw.,
und Seine Fürstliche Gnaden Gemahlin, die Durchlauchte, Hochgeborene Fürstin und Frau Annämaria, geborene Fürstin von Anhalt, Herzogin in Schlesien zu Liegnitz und Brieg usw.,
sowie Herrn August, Fürsten von Anhalt, Grafen von Askanien, Herrn zu Zerbst und Bernburg usw.,
meine gnädigen und wohlwollenden Obrigkeiten und Gönner.
Durchlauchte, hochgeborene Fürsten und Herren, und ebenso gnädige Fürstin! Da Eure fürstlichen Gnaden – ihr alle drei – mir und den Meinen bei der Ausrichtung meiner Hochzeit so überaus freigiebig und gnädig entgegengekommen sind, ohne dass ich es verdient hätte, und wir dies in keiner Weise angemessen vergelten können, habe ich mich entschlossen, wenigstens einen bescheidenen Dank zu zeigen und dieses kleine „Bergbüchlein“ Euren fürstlichen Gnaden allen zusammen zu widmen und zu überreichen. Außerdem scheint es mir passend, da Eure fürstlichen Gnaden neulich das edle Goldbergwerk „Reichstein“ und das kostbare Silberbergwerk „Silberwergk“ in Besitz genommen haben und, wie es hohen und fürstlichen Personen wohl ansteht, Freude und Liebe zum Bergbau tragen. Es ist ja auch überaus lobenswert, solche Unternehmungen zu fördern, da das gemeine Volk sie wegen seiner Armut kaum so voranbringen oder erhalten kann, wie es überall notwendig wäre.
Da Gott Euch fürstlichen Gnaden überdies reichlich segnete und Euch die beiden Fürstentümer Liegnitz und Brieg sowie die genannten beiden herrlichen Bergstädte großzügig verlieh, hat er Euch zugleich ein besonderes Herz dafür gegeben, den Bergbau mit großer Freude zu betreiben – eine Gabe, die zweifellos Eurer rühmlichen Vorfahren Wesensart entspricht. Besonders von der heiligen Hedwig, jener „schlesischen Sibylle“, stammt dies her, denn (wie fast jedes Land seine eigenen Sibyllen hatte) hat sie zu ihrer Zeit außerordentliche Geheimnisse ans Licht gebracht, zum großen Nutzen für dieses Land und die Nachkommen ihres fürstlichen Hauses. Unter anderem eröffnete sie auch die Goldbergischen und Liegnitzschen Goldgruben. Letztere, so zeigen es die Annalen, erbrachten mindestens 120 Mark Gold Überschuss pro Woche, und das acht Jahre lang, was sich insgesamt auf 49.920 Mark Gold summiert; oft waren es sogar 160 Mark in der Woche. Leider kam es jedoch im Zuge der Tatarenkriege vor vierhundertfünfzig Jahren sowie der Hussitenkriege und anderer innerer Unruhen – ein höchst beklagenswertes Geschehen – zur Einstellung des gesamten Betriebes. Seitdem kennt man weder die Fundsteine noch die Art der Gewinnung, obwohl diese Dinge zweifellos alle, mitsamt allem Notwendigen, ebenjene heilige Herzogin wie eine treue Mutter ihrer Untertanen und ihres Landes auf ewig unverloren hätte weitergeben wollen: nicht durch Schriften oder Worte, sondern durch Werke und Taten, die für jene unvergänglich sind, die sie zu verstehen vermögen. Denn so haben es seit Anbeginn der Welt die Weisen und Sibyllen mit den allerwichtigsten Geheimnissen gehalten.
Wie wünschenswert wäre es doch – und wir sollten Gott darum bitten –, dass diese kostbarsten Bergwerke noch in Betrieb wären, denn sie würden Euren fürstlichen Gnaden und dem ganzen Land einen beträchtlichen Nutzen bringen. Oder zumindest mögen sie eines Tages wieder zum Vorschein kommen, ebenso wie „Reichstein“ und „Silberberg“, auf dass sie in einen besseren und reicheren Zustand gelangten. Zu diesem Zweck könnte das gegenwärtige „Bergbüchlein“, sofern man es richtig versteht, keine geringe Hilfe sein. Das Buch und sein Verfasser verdienen nämlich höchste Anerkennung, nicht allein wegen seiner umfassenden Erfahrung im Bergbau und in der hohen Kunst der Alchimie, sondern auch deshalb, weil er die noch unbekannten und in der Gelehrtenwelt kaum verbreiteten Werke des hocherleuchteten, von Gott begabten Theophrastus Paracelsus studiert und zitiert hat. Er schließt sich dessen Ansichten ganz an und hat zweifellos alle Anregungen daraus geschöpft, da sogar das Original seiner Handschrift jener des Paracelsus sehr nahekommt, als hätte dieser selbst es niedergeschrieben.
Daher möchte ich, in aller Untertänigkeit, dass Eure fürstlichen Gnaden alle drei dieses Büchlein als kleinen Dank von mir gnädig annehmen. Ich befehle Euch samt dem gesamten fürstlichen Haus in Gottes gnädigen Schutz und empfehle mich Eurer Gnaden weiterer Gunst und Förderung. Gegeben zu Brieg in Schlesien, am 14. August des Jahres 1600 nach Christi Geburt.
Eurer fürstlichen Gnaden untertäniger Diener
Elias Montanus.