Text.Breler.1611-01.!1v/TranslationDE

From Theatrum Paracelsicum

An den Hochadligen, Hochberühmten und Hochgelehrten Herrn Georg Rem, Patrizier zu Augsburg, Doktor beider Rechte und in den Rat der Nürnberger Republik aufgenommen, von Melchior Breler aus Fulda, Magister der Philosophie und gekrönter Dichter, Freund vieler Sprachen.

Edelgesinnter und wahrhaft erhabener Mann!

Was ich hier vortrage, stammt aus dem Munde eines Orakels, nicht eines Dichters. Und ich füge hinzu: Es ist nicht ein Bühnenwort, sondern die Antwort des delphischen Dreifußes. „Wer sich hütet, betrogen zu werden, ist kaum wirklich auf der Hut – selbst wenn er vorsichtig ist und sich für gewappnet hält, wird dieser Umsichtige oft doch überrumpelt.“ Das hat jenes unsterbliche Palladium des Königreichs Frankreich, Heinrich IV., bestätigt. Obwohl er nämlich tags zuvor, bevor seines Mörders Hände das Blutvergießen begannen, bei seiner feierlichen Krönungszeremonie den andrängenden Menschenhaufen – unter denen sich jener ruchlose Mörder befand – durch seine Leibwache zurückdrängen ließ, konnte er jenen französischen Atreus dennoch nicht vermeiden. So hat dieser Vater des Vaterlandes und irdische Gott des französischen Reiches, nach so vielen abgewehrten Dolchstichen, jenes Wort des großen Tragödiendichters bestätigt: „Den, den das Schicksal oft verschont, den ereilt es doch irgendwann.“

Und wie hätte wohl selbst dieser beste aller Könige jene Bruti und Cassii in Verkleidung von den Rechtschaffenen unterscheiden können? Solinus lehrt uns, wie jene Leute zu sein pflegen: Sie gleichen einer Hyäne, die den Hirtenlagern folgt, durch fortwährendes Zuhören das Lockwort zu imitieren lernt und so in der Nacht den Menschen an sich heranruft und über ihn herfällt.

An dieser Stelle breche ich meine Vorrede ab und stelle jenen „Uhu“ – wie in Heinrichs IV. tragischen Jamben (das Eingreifen des Schicksals allein ausgenommen) – zu Peter-und-Paul, hier unter der Leitung des hochhumanen Magisters Leonhard Lemmermann, als Vorläufer auf meine Bühne. Und ich schreibe diese Ankündigung Deiner Edlen Gnaden zu. Vielleicht wird sich darin etwas finden, das gefällt, etwas, das rechtschaffene Ohren erfreut und die der Schlechtgesinnten schmerzt und kratzt. Wenn dann sogar die zwölf Chöre dieser tödlichen Tragödie in ebensovielen Sprachen und Nationen von meinem Werk verkündet werden, so werde ich mich wahrhaft rühmen können, meinem erhabensten König auf hervorragende Weise gedient zu haben.

Lebe wohl, Du hochadeliger und wahrhaft erhabener Mann!