Text.BP215.A2r/TranslationDE

From Theatrum Paracelsicum

An die hochberühmte Fürstin, meine Dame, die Herzogin von Elbœuf.

Meine Dame, die ganze Schar der Theologen sagt und erklärt einmütig, dass die Liebe die Erfüllung des Gesetzes sei, insofern Gott, der es gegeben hat, es selbst auf diese Zusammenfassung gebracht hat, die diese zwei Punkte umfasst: nämlich Gott von ganzem Herzen zu lieben und seinen Nächsten wie sich selbst. Das Gesetz befiehlt also nichts anderes als zu lieben, das heißt die Liebe hochzuhalten oder barmherzig zu sein. Diese Liebe oder Barmherzigkeit besteht und liegt aber nicht allein, wie jener heilige Lehrer, der heilige Johannes Chrysostomus, geschrieben hat, darin, denjenigen zu lieben, von dem man geliebt wird, oder denjenigen, von dem man angenehme Dienste empfängt, oder denjenigen, von dem man Gutes erfährt; auch nicht allein in Worten und Versprechungen oder in Grüßen, sondern vielmehr in Fürsorge, Sorge und Taten: etwa Personen aus Not und Armut zu befreien, den Kranken beizustehen, Personen aus Gefahr zu retten und ihnen in ihrer Bedürftigkeit Hilfe zu leisten. Man kann also schließen, dass sie, wie unsere heiligen Lehrer sagen, der Brunnen, die Quelle und die Wurzel aller Güter ist, und sagen, dass alle Tugenden, die man einer Person zusprechen und beilegen kann, eitel und ohne Frucht oder Wirkung sein werden, wenn die Liebe nicht mit ihnen verbunden ist.

Nun scheint die Unterstützung und Hilfe, die man den Kranken leistet, unter allen Werken der Barmherzigkeit die empfehlenswerteste zu sein, weil es mehr Menschen gibt, die den Armen beistehen und helfen, die Betrübten trösten, die Gefangenen oder sonst Bedrängten besuchen und erleichtern können, als es solche gibt, die Kranke heilen können. Die Barmherzigkeit also, die hierin geübt wird, scheint, insofern diejenigen, die dies tun können, seltener sind als die anderen, besonders empfehlenswert zu sein.

Dieses eine Ziel, das diejenigen, die Gott zur Erkenntnis der Medizin, vor allem aber zu ihrer Ausübung berufen hat, dazu anspornen muss, eifrig zu arbeiten, um ein Mittel zu finden, die Kranken rasch, sicher und so schonend wie möglich zu erleichtern und zu heilen, dieses, sage ich, hat mich stets angetrieben, seit es Gott gefallen hat, mir einige Kenntnis davon zu geben, die Geheimnisse der Natur und die Mittel zu erforschen, um dieses Ziel so gut und so geradewegs zu erreichen und zu erlangen, wie es mir möglich wäre.

Indem ich dies tat und zugleich die Ehre empfing, in den Dienst meiner hochverehrten Dame und Herrin seligen, hochgeehrten und höchst glückseligen Andenkens berufen zu werden, meiner Dame, der Großmutter Eurer Gnaden, deren Seele nun die selige Anschauung Gottes mit den heiligen Engeln genießt, wo sie den Lohn empfängt, der ihren weithin berühmten Tugenden und Werken der Barmherzigkeit verheißen ist, wurde ich damals von ihr noch mehr zu einer solchen Forschung angespornt, da sie eine Dame war, so vollkommen in allen Vollkommenheiten und Tugenden, wie sich zu ihrer Zeit nur eine finden ließ, besonders zur Erforschung der Geheimnisse des Paracelsus. Dies gab mir Anlass, so viele seiner Bücher und so viele der Bücher all derjenigen zusammenzubringen, die über eine ähnliche Lehre geschrieben und gehandelt hatten, wie ich damals erlangen konnte. Unter anderem fiel mir die große Chirurgie des genannten Paracelsus in die Hände, und sie schien mir, nachdem ich sie mehrmals gelesen und wieder gelesen hatte, einen großen Teil dessen zu enthalten, was ich suchte, im Hinblick auf die Erleichterung derjenigen, die verwundet oder auf andere Weise von Geschwüren irgendeiner Art, Gestalt und Natur heimgesucht sind; besonders aber, noch eigentlicher und leichter, um Verwundeten jeder Art Hilfe zu leisten.

Da aber dieser Autor seine Bücher sehr verhüllt geschrieben hat, indem er schwierige Ausdrücke sowie dunkle und bildliche Worte gebraucht, besonders in dem Teil, in dem er von den Geschwüren handelt; und da man, indem man diesen Teil auslegt und verständlich macht, zugleich den Weg zum Verständnis seiner übrigen Bücher eröffnet, damit man daraus den Nutzen ziehen kann, den er selbst gewünscht hat, da er kein anderes Ziel hatte, als aus Barmherzigkeit seine Geheimnisse zur Erleichterung, zum Vorteil und zum Nutzen der armen Kranken aufzudecken; und auch deshalb, weil es viele Chirurgen gibt, die danach verlangen, diese Lehre kennenzulernen und ihre Frucht daraus zu gewinnen, die aber nicht nur der deutschen Sprache unkundig sind, sondern auch keine große Kenntnis der lateinischen Sprache besitzen, habe ich, damit sowohl die Gelehrten als auch die weniger Gelehrten aus dieser genannten Chirurgie einigen Nutzen und einige Zufriedenheit gewinnen und ziehen können, sie aus dem Lateinischen in unsere französische Sprache übertragen und übersetzt.

Dies habe ich nicht Wort für Wort getan, sondern paraphrastisch, wobei ich dennoch überall und in jeder Hinsicht der Absicht des Autors so gut gefolgt bin, wie es mir nach dem vernünftigen Verfahren der Kunst möglich war; denn derjenige, der sie aus dem Deutschen ins Lateinische übersetzt hat, hat darin sehr dunkle und schwierige Stellen belassen, wie er selbst bekannt hat, sofern er es denn gewesen ist, der die Randbemerkungen gemacht hat. Ich habe andere hinzugefügt, mit sehr ausführlichen Erläuterungen, um diese ganze Lehre zu erhellen und verständlich zu machen.

Die Chirurgen also, die aus Barmherzigkeit die armen Kranken, Verwundeten oder von Geschwüren Befallenen rasch heilen wollen, werden darin genügend sehr geeignete und zweckmäßige Heilmittel sehen, die nicht schwer zuzubereiten sein werden; sodass ich hoffe, dass die Gelehrten darin einige Zufriedenheit finden und die weniger Gelehrten daraus Nutzen ziehen können.

Da nun solche Werke nicht nur dem Gemeinwesen nützlich sind, sondern auch für die Häuser großer Herren und Damen sehr geeignet, in denen es wegen der Vielzahl der dort befindlichen Diener und ihrer anderen Untergebenen immer jemanden gibt, der ihrer bedarf; besonders in jenen Häusern, in denen die Barmherzigkeit in der Sorge und Fürsorge für die Kranken sehr geübt wird, wie es in dem Euren der Fall ist, meine Dame, da Ihr von jenen so edelmütigen, tugendhaften und barmherzigen Eltern abstammt, die sie in solcher und so einzigartiger Hochschätzung gehalten haben, und mein genannter Herr, Euer Vater, hält sie, Gott sei Dank, noch immer so hoch, dass er stets seinen eigenen Nutzen und Vorteil dem des Gemeinwesens nachgeordnet hat, indem er den Armen auf jede Weise beistand, besonders den Kranken, um die, wie ich gesehen habe, meine genannte Dame, Eure Mutter, so sehr besorgt war, dass sie nichts sparte, um ihnen zu helfen.

Aus diesem Grund, meine Dame, bin ich zuversichtlich, da, wie unser zuvor genannter heiliger Lehrer Chrysostomus geschrieben hat, die Barmherzigkeit oder Liebe in den Menschen das ist, was die Feuchtigkeit in den Kräutern und Bäumen ist; denn, sagt er, so wie die Kräuter aus der Feuchtigkeit hervorgehen und durch sie wachsen, so tun es die Menschen durch die Liebe. Dann fügt er hinzu, dass die Feuchtigkeit aus den Wurzeln in das Kraut aufsteigt, aber nicht vom Kraut in die Wurzel zurückgesandt wird, sondern nach oben in den Samen getragen wird. So wird die Barmherzigkeit von Vater und Mutter auf die Kinder übertragen und weitergetragen.

Ich hoffe also, sage ich, meine Dame, dass Ihr, da Ihr von Gott durch das Mittel und den Dienst meiner genannten hochverehrten Herren und Dame, Eurer Eltern, diese Quelle, diesen Brunnen und diese Mutter aller Tugenden empfangen habt, die Ihr in der Sorge und Fürsorge, die Ihr für die armen Kranken habt, übt und üben lasst, und da Ihr nun die Gemahlin und Gefährtin eines hochberühmten und edelmütigen Fürsten seid, der dieselbe Sorge trägt wie Ihr, die Kühnheit, die ich mir genommen habe, Euch diese meine Arbeit zu widmen, wohlwollend aufnehmen werdet. Ich glaubte, sie keinem anderen darbringen zu können, der sie bereitwilligeren Herzens annehmen würde als Ihr, die Ihr jene vertretet, der ich sie zusammen mit meinem demütigsten und immerwährenden Dienst gelobt hatte, um Diener und Vollstrecker ihrer so barmherzigen Wünsche zur Erleichterung der Kranken zu sein.

Nehmt also, meine Dame, wenn es Euch gefällt, diese kleine Gabe an, die Euch aus seinem Schatz und von ganzem Herzen derjenige darbringt, der, da er über keine größeren Mittel verfügt, sich ebenfalls für immer geweiht hat.

Euer demütigster, gehorsamster und treuester Diener

Claude Dariot.