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From Theatrum Paracelsicum

An den durch edle Abstammung, Frömmigkeit, Gelehrsamkeit und Milde höchst ausgezeichneten Herrn, den hochwürdigen Johann de Ferrières Vidame von Chartres, Fürsten von Cabannes usw., seinem gütigsten Herrn.

Wie groß die Bedeutung der Kunst der Chemie ist, erweist sich nicht nur aus den Berichten der Alten, sondern auch aus unserem eigenen Zeitalter, hochberühmter Herr. Denn viele Historiker bezeugen nicht nur, sondern berichten und bestätigen ausdrücklich, dass Könige und Fürsten diese Kunst einst liebten, pflegten und ausübten. Sie hielten diese Wissenschaft für keine würdigere Beschäftigung des königlichen Lebens (abgesehen von der Betrachtung der göttlichen Mysterien). Diese Philosophie war insbesondere das Erbe der Ägypter, die in allen Zeiten für ihr Wissen und ihren Ruhm in den Geheimnissen sowohl der göttlichen als auch der natürlichen Welt bekannt waren. Von ihnen stammt alles, was an höherer Erkenntnis und Wissenschaft bis zu uns gelangt ist. Ach, wenn doch bei uns noch wahre Überreste jener erhabenen Weisheit erhalten geblieben wären!

Denn unser eisernes Zeitalter hat sich gänzlich von jenem goldenen Zeitalter entfernt und ist so tief gesunken, dass wahre Künste und die schönsten Wissenschaften in groteske Chimären und wilde Monstrositäten entartet sind. Einst beschäftigten sich die erhabensten Geister unter den Philosophen und die edelsten königlichen Gemüter mit höchstem Eifer mit der Erforschung der erhabensten Dinge, mit der geheimen Philosophie und den natürlichen Mysterien, durch die sie ihrem ganzen Volk sowohl in Kriegs- als auch in Friedenszeiten von Nutzen waren. Unsere heutige Zeit jedoch widmet sich nutzlosen Schatten der Dinge, leeren Trugbildern und weltlichen Genüssen, durch die jene erhabene Philosophie der Alten gänzlich ausgelöscht worden ist.

Die Alten hingegen suchten mit höchster Leidenschaft und Liebe nach diesen edleren Künsten und stellten sich ihretwegen vielen Herausforderungen, um durch deren Besitz sich selbst und ihr Vaterland zu Ruhm zu verhelfen. So reiste der göttliche Plato nach Ägypten und trank dort von dieser erhabenen Philosophie. Wer weiß nicht, dass Demokrit von Abdera nach Indien, Skythien und Ägypten zog? Und dass er erst dann zurückkehrte, als er seinen Wunsch erfüllt sah und in jeder Wissenschaft unterwiesen war? So wurde er zu einem einzigen Licht und zur wahren Rettung seines Vaterlandes. Die Abderiten bekannten einmütig: Wenn er litt, litt das Vaterland, wenn er starb, starb das Vaterland mit ihm.

Wer kennt nicht die ruhmreiche Expedition ganz Griechenlands in die kolchischen Inseln, bei der sich die Helden weder durch Mühen noch Gefahren, noch durch den wildesten König abschrecken ließen, um das Goldene Vlies zu erringen und sich selbst und ihr Vaterland zu bereichern?

In unserer Zeit jedoch herrscht sowohl unter Königen als auch unter Untertanen, sowohl unter Gelehrten als auch unter Unwissenden nicht nur Nachlässigkeit und Verachtung gegenüber dieser Kunst, sondern sogar Hass und Feindseligkeit gegen dieses strahlende Licht. So kommt es, dass diejenigen, die mit einem höheren Geist die alten spagyrischen Künste und die erhabenen Errungenschaften ihrer Vorfahren wieder ans Licht bringen wollen, in Vergessenheit geraten, in Dunkelheit zurückgelassen werden und sich der Feindschaft aller ausgesetzt sehen. Denn sie haben keine Patronen und Mäzene, die sich für dieselbe Sache begeistern.

Daher werden viele herausragende Geister – von denen unser Zeitalter zahlreiche hervorbringt – unterdrückt, sodass sie ihr angestrebtes Ziel nicht erreichen können. Da es ihnen an Mäzenen fehlt, sind sie gezwungen, sich mit gröberen und geringeren Dingen zu befassen und elend den Unwissenden zu dienen, obwohl sie auf Reichtum, Ehre und weltliche Genüsse verzichten, um die verlorenen Künste wiederherzustellen.

Doch auch wenn die Gönner und Förderer der Musen äußerst selten geworden sind, findet sich doch hin und wieder einer – wie es bei allem Erhabenen der Fall ist –, der mit Liebe und Wohlwollen solche Künste und ihre Urheber unterstützt. Unter diesen nimmst du, edler und hochberühmter Fürst, gewiss keinen nachrangigen Platz ein. Denn deine erhabene Tugend und deine außergewöhnliche Weisheit spornen dich zu dieser Aufgabe an. Du lässt nicht einen einzigen Moment ungenutzt verstreichen, ohne dich durch Nachdenken oder tatkräftiges Wirken für das Gemeinwohl einzusetzen, um so das zu erfüllen, was einem tapferen und edlen Fürsten am meisten würdig ist. So widmest du alles an Zeit und Muße, das dir neben deinen ernsten Pflichten bleibt, diesen erlesenen Studien.

Daraus entspringt auch deine einzigartige und seltene Klugheit in der Regierung des Staates, da du nicht nur gegen die Missstände kämpfst, die unmittelbar vor Augen liegen, sondern durch weise Voraussicht auch künftige Übel zu verhindern weißt. Denn indem du die Ursachen von Unruhen erkennst, beruhigst du aufgebrachte Gemüter mit klugen Worten, Rat und Weisheit, du besänftigst sie und richtest die Seelen der Rechtschaffenen wieder auf. So behandelst du innere Wunden schnell, sicher und mit Sanftmut, sodass du die aufrührerischen und ungestümen Geister ohne Aufruhr zur Eintracht und zur Liebe zum Vaterland führst. Manche gewinnst du mit Ehrungen, Freundschaft, Vertrautheit und Wohlwollen, andere mit Versprechungen, einige durch die innere Hingabe an das Gemeinwohl und an das Vaterland.

O weisester Fürst! Zierde eines edlen Geschlechts, Schmuck Frankreichs, Licht deines Vaterlandes, Rettung der Republik, Hüter des Friedens, Stütze der Friedfertigen, Hoffnung der Wissenschaften! Zu dir werden alle von überallher als zu einer Zuflucht für die erhabensten Künste eilen und dich, den einzigen wahren Patron der Musen, mit höchstem Lob preisen – und das nicht ohne Grund.

Deshalb biete ich dir, von Freude erfüllt, frei von Angst und voller Hoffnung, als dem edelsten Förderer und Gönner aller guten Dinge, diese Einführung zu meinen Arbeiten dar. Ich widme sie dir und trage sie dir mit größter Ehrerbietung auf. In diesem Werk sind die Experimente des großen deutschen Gelehrten Philippus Theophrastus Paracelsus enthalten, zusammen mit einigen außergewöhnlichen Spezialanwendungen. Was ihre Qualität betrifft, wird die Sache selbst es zeigen. Ich hoffe jedoch, dass deine erhabene Hoheit, wenn du meine Arbeit liest, sie nicht zurückweisen wird, denn ich weiß, dass dein edler Geist stets ein aufrichtiger Freund der Gerechtigkeit und Wahrheit ist.

Inzwischen empfehle ich mich dir mit all meinen Studien und in allem, was ich dir zu bieten vermag. Größere Gaben als diese habe ich nicht, die ich dir darbringen könnte.

Lebe wohl.

Gegeben in Basel.